Legen Sie den Schalter um 

Dirk Ungerechts, M.Sc.

Kennen Sie die Situation: Ihr(e) Partner(in) war mit dem gemeinsamen Auto unterwegs, und plötzlich sind viele Voreinstellungen wie z.B. Spiegel oder Sitzposition anders als gewohnt? Da hilft es, wenn man, wie viele Automobile es bereits seit mehreren Jahren anbieten, bestimmte Einstellungen speichern und einfach per Knopfdruck zwischen den Voreinstellungen wechseln kann.

Meine Frau, ausgestattet mit einem heißblütigen, mediterranen Temperament, ist bei uns zu Hause der Bleifuß und daher gerne im Fahrmodus “Dynamic“ unterwegs, während ich eher den Modus “Efficiency“ bevorzuge. Wenn ich beim Losfahren merke, dass unser Wagen etwas ruppig reagiert, weil meine Frau in ihrer Voreinstellung unterwegs war, kann ich das Problem mit einem einzigen Knopfdruck lösen.

Wäre es doch mit KPIs nur genauso einfach wie mit den Voreinstellungen im PKW. Denn jetzt, wo sich die Lieferzeiten an den meisten Rohstoffmärkten stabilisieren oder sogar wieder kürzer sind und geliehenes Geld deutlich teurer wird, erreichen uns vermehrt Anfragen, um möglichst schnell den Fokus einer Supply Chain von “Verfügbarkeit“ auf “Bestände“ zu wechseln. Da, wo manche unserer Kunden bis vor ein paar Monaten z.B. noch alle Elektronikteile kauften, die zu halbwegs vernünftigen Preisen zu erwerben waren, fällt jetzt auf einmal auf, dass die Lager sehr voll sind und doch dringend etwas an den teilweise viel zu hohen Beständen getan werden müsste.

Nun ist es nichts Neues, dass heute eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird als noch vor ein paar Monaten. Den meisten von uns ist der Schweinezyklus der KPIs hinlänglich bekannt. Das Dumme ist nur, dass die meisten Firmen in dem Fall nicht schnell mal den Schalter umlegen können, so wie man es beim Fahrmodus eines Autos machen kann. Und wenn man dann, oftmals gezwungen durch kurzfristige Vorgaben aus der Chefetage, bei der Bestandsreduzierung schnell Ergebnisse erzielen muss, werden oftmals genau die Schalter umgelegt, die am schnellsten zu Ergebnissen führen. Und wir alle wissen, dass die schnellen Lösungen in den seltensten Fällen die besten Lösungen sind. Gut Ding will nun mal Weile haben, auch bei der Verbesserung von KPIs.

Wäre es daher nicht schön, wenn man auch in der Supply Chain zwischen diversen “Fahrmodi“ wechseln könnte, genau wie bei einem Auto? Wenn man, je nach Situation und aktuellem Fokus, die Akzente für die die Steuerung schnell, effizient und konsistent verschieben könnte? Und wäre es nicht noch viel schöner, wenn man so etwas schon mal einstellen und testen könnte und die Effekte verstehen könnte, bevor der Chef mit derartigen Vorgaben kommt?

Mit Hilfe eines Digitalen Zwillings Ihrer Supply Chain wäre so etwas möglich. Mit den aus dem ERP-System übernommenen Daten können Analysen durchgeführt, neue Werte für Steuerungsparameter eingestellt und deren Effekte geprüft werden, ohne dass diese Effekte zwingend ins operative ERP-System mit übernommen werden müssen. So konfigurieren Sie sich diverse Voreinstellungen oder Fahrmodi für Ihre Supply Chain. Und sobald ein anderes Tier durchs Dorf gejagt wird, habe Sie für jedes mögliche Tier die richtige Jagdausrüstung bereits vorliegen. Und damit sind Sie dann hoffentlich im Stande, die Schalter umzulegen, die zu den besten Ergebnissen führen, und nicht zu den schnellsten.

Konfigurieren Sie sich also schon mal die Schalter, die Sie im Fall der Fälle umlegen möchten. So macht nicht nur Autofahren viel mehr Spaß.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Jagd bzw. eine gute Fahrt,
Ihr Dirk Ungerechts


Dirk Ungerechts, M.Sc.

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Dirk Ungerechts (M.Sc.) verantwortet als Geschäftsführer das Business Consulting der A&K Supply Chain Engineers. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Supply Chain Management und der Mathematischen Optimierung. Dirk ist spezialisiert auf die Anforderungen der quantitativen SCM-Optimierung sowie der dynamischen Simulation zur agilen und intelligenten Entscheidungsfindung.

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