Kurz und bündig: Make-to-Stock 

Prof. Dr. Andreas Kemmner

Der Fachbegriff Make-to-Stock wird meist mit Lagerfertigung übersetzt und als Gegenbegriff zur Auftragsfertigung (Make-to-Order) verstanden. Bei der Lagerfertigung wird produziert, ohne dass konkrete Kundenaufträge vorliegen. Auf der Ebene der Endprodukte ist Make-to-Order immer dann notwendig, wenn die vom Markt akzeptierten Lieferzeiten kürzer sind als die Wiederbeschaffungszeiten der vorgelagerten Lagerstufe.

Wird auf einer Lagerstufe auftragsbezogen produziert, so erfordert dies Prognosen über den zu erwartenden zukünftigen Marktbedarf und eine Aussage über die gewünschte Lieferbereitschaft („Lieferbereitschaftsgrad“), um die erforderlichen Grund- und Sicherheitsbestände festlegen zu können.

Unser Tipp:

Die Begriffe Make-to-Stock und Make-to-Order führen leicht auf eine falsche Fährte, denn Make-to-Stock und Make-to-Order sind keine sich gegenseitig ausschließenden Strategien in einer Wertschöpfungskette. In einer gut organisierten Wertschöpfungskette, nicht nur bei produzierenden Unternehmen, sondern auch bei Handelsunternehmen, findet man beide Strategien meist neben- und hintereinander. Während z.B. bestimmte Endprodukte auf Lager produziert werden, werden andere auftragsbezogen gefertigt oder beschafft.

Die Komponenten, Baugruppen oder Einzelteile, aus denen sich die kundenauftragsbezogen gefertigten Endprodukte zusammensetzen, werden häufig auf Basis von Bedarfsprognosen kundenauftragsbezogen vorproduziert bzw. vorbeschafft, da ansonsten die geforderten Lieferzeiten an den Markt nicht eingehalten werden können. Die Lagerstufen in einem Wertstrom, die durch Make-to-Stock Bestände aufgefüllt werden, aus denen aber Make-to-Order Bestände entnommen werden, sind die logistischen Entkopplungspunkte in einem Unternehmen. Sie werden häufig auch als Kundenentkopplungspunkte bezeichnet und stellen ein wesentliches strategisches Element eines logistischen Geschäftsmodells dar.

Je variantenreicher die Endprodukte und je stochastischer ihre Nachfrage, desto eher empfiehlt sich eine kundenauftragsbezogene Fertigung und Montage möglichst ab der Lagerstufe, ab der sich die Varianten aufspalten. Andernfalls können die Fertigwarenbestände und damit die Lagerhaltungskosten selbst bei schlechter Lieferbereitschaft sehr hoch ausfallen.


Prof. Dr. Andreas Kemmner

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Prof. Dr. Kemmner ist Co-CEO der Abels & Kemmner Group und hat in 30 Jahren Beratertätigkeit in Supply Chain Management und Sanierung weit über 200 nationale und internationale Projekte durchgeführt und war über 10 Jahre der einzige öffentlich bestellte Sachverständige für die Wirtschaftlichkeitsbeurteilung von Industriebetrieben in Deutschland. 2012 wurde er von der WHZ zum Honorarprofessor für Logistik und Supply Chain Management bestellt. Die Ergebnisse seiner Projekte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

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